
Ich wär ja schon früher los, aber der erste Bus zu meinem Startpunkt holt mich erst um 8:38h ab. Natürlich bin ich zu früh an der Bushaltestelle, aber das macht nichts. Ich übe ein paar Durchläufe der aktuellen Hip Hop Choreo, damit sich die morgendlichen 7 Grad wärmer anfühlen. Außerdem hebt es die Laune (der Umstehenden).
Late morning (8:38h) at the bus station: Eager to catch the first bus to my hiking route, I have to wait 10 minutes, ahead of time as always. I decide to keep warm by some dancing rounds, practicing my current hip hop choreography. Isn’t it nice when you can improve the mood of everybody near so easily?

Der Bus fährt präzise durch schmale Sträßchen, entlang steiler Abgründe und durch enge Kehren – und doch stürzen wir nicht ab. Wenn das kein gutes Zeichen für meine Bergtour ist!
What I consider hazardous roads and a non-appropriate vehicle is just a regular job to the bus drivers. Despite narrow streets and abysm, I reach Tiers / St. Zyprian comfortably and safe.

Bei St. Zyprian verlasse ich den Bus und starte sanft und lieblich bergauf. Die sonnigen Wiesen entlang des Wegs stehen in krassem Kontrast zu den aufragenden Felsen des Rosengartens. Auf italienisch heißt diese Kette ganz anders, was völlig okay ist, es sieht nämlich gar nicht aus wie ein Rosengarten.
The initial section of my hike is welcoming. Lovely meadows at my feet and impressing mountain ranges all around, topped by blue skies and bright sunshine.

Weiter oben verlasse ich die Forststraße und biege auf einen schmaleren Steig ab. Mit jedem Schritt genieße ich die spätsommerliche Sonne und finde es unfassbar, dass an den Nordalpen die Saison schon vorbei ist. Zumindest hat dort Ende Oktober kaum noch eine Hütte auf, und überhaupt ist es meist kälter und nasser… Wie gut, dass ich hier bin!
I find it hard to believe that the Bavarian mountains have closed their season by now, shutting down the alpine pastures until late spring. Here, instead, it feels like prolonged summer – what a wise decision to come here!


Kurz darauf flacht der Weg ab und wiegt mich in trügerischer Sicherheit. Was für ein Spaziergang, diese Tour doch ist! Nur weil ringsum steile Berge stehen, heißt das noch lange nicht, dass meine Strecke mühsam werden muss?!
After dirt roads followed by slightly steeper paths, the route gets smooth when approaching the Tschafon-chalet. Looks like today’s hike will be a piece of cake, with steep rocky walls for nothing more then decoration on the pictures.


Überhaupt ist die Aussicht eine 10 von 10. Hier, wo die Strecke easy ist und meine Beine ausgeruht, schwebe ich förmlich über die Wanderpfade und genieße die wunderschöne Kulisse.
If not for a peak, the tour might be worth it all for the views. Effortless, I enjoy the flow of a steady pace, soaking in the perspective of this great setting.

Bald erreiche ich die Tschafonhütte, die mitten am Vormittag noch recht einsam ist. Egal, wie verlockend sie erscheint, es ist noch zu früh für einen Einkehrschwung.
Soon enough, I reach the Tschafon-chalet. It looks deserted due to morning hours – fine by me as it is way too early to get tempted by food or coffee or whatever they offer.

Ab hier ändert sich meine Richtung, und ich lasse die die grasigen Hügel und die entfernten Felswände hinter mir.
From here on, my way changes slightly direction, leaving the soft passages and the Rosengarten massif behind.

In der Ferne sehe ich höhere, schneebedeckte Gipfel. Ein gutes Stück näher ragt ein ziemlicher Brocken von einem Berg auf. Ich versuche zu ignorieren, dass er auf meiner Route liegt und viele weitere Höhenmeter bringt.
Snowy peaks greet me from a distance. I prefer looking at this first promise of winter sports rather than guessing why a huge mountain wall stands right in my way. I begin to wonder about altitude meters, even more as I remember that the description mentioned an intermediate section that gets first down and then up again…

Es wird nicht nur steiler, sondern auch kälter. An den Nordhängen halten sich Raureif und Eis hartnäckig, und zu allem Überfluss verliere ich am Übergang zwischen hüben und drüben kostbare Höhenmeter. Die Tatsache, dass sich das mit der Tour-Beschreibung deckt, ist ein schwacher Trost.
Temperatures have dropped within minutes. While I get down to the swale between Tschafon and Hammerwand, I enter the cold zone = the mountain’s dark side. Here, where shadows remain all day long, the hoarfrost and a bit of ice found their ideal habitat.


Nach dem Zwischen-Tal wird der Weg wilder: Der Wald ist dichter, der Pfad steiler, und das Vorankommen nicht so richtig sichtbar. Hier hinten ist es ursprünglicher und einsamer als in den ersten Abschnitten – das ist einerseits beeindruckend, macht den Weg aber nicht weniger anstrengend. Gut, dass ich total fit bin – bin gar nicht sicher, ob ich meine Knie-Bandagen eingepackt habe, angezogen habe ich sie jedenfalls nicht. Und bisher klappt das ganz prima.
It does not take long until I change direction again, not the vertical one: a clear, yet somewhat rough path wiggles through the trees. It is steeper than the first half of the route. No wonder that few hikers enter this section at all. The more I think about it, the better I like the idea of being among the tough ones, those full of strength, with young blood and solid knees. At least, I manage the tour without supporting bandage – yay to re-installed fitness!

Kurz, nachdem der Pfad zu einer steinigen Herausforderung wird, liegt völlig unscheinbar der höchste Punkt vor mir. Keine Markierung, kein Kreuz markiert den eigentlichen Gipfel – es ist nur eine steinige Fläche umgeben von Latschenkiefern, von der aus man den besten Blick hat.
What feels like hours on my way up suddenly becomes a rocky challenge for a few meters, only to merge into a small clearing. As unspectacular as anything, I have reached the highest point of the day, the hidden peak of this mountain.

Erneut geht es bergab. Es ist sogar eine ziemliche Kraxelei, die ich aber erst auf dem Rückweg (bergauf blickend) aufnehme. Im Moment bin ich ziemlich beschäftigt damit, meine Wanderstöcke und alle Gliedmaßen heil voran zu bringen.
However, this is not the destination. The massive cross of the Hammerwand is set on a remote pre-peak below the main point and accessible via a small, rocky ridge.

Das riesige Kreuz der Hammerwand steht auf einem Vorgipfel, der ein gutes Stück unter dem eigentlichen Peak liegt und durch ein schmales Stück Berg damit verbunden ist. Seitlich geht es ziemlich weit runter, aber dafür geht man ja auf Berge: um runterzugucken.
People who dislike vertigo might be happier with the higher (yet: almost invisible) summit. Along the way to the cross, the mountain’s flanks lead down a few hundred meters – great perspectives, I dare say.

Endlich kommt mein Ziel in Sichtweite. Zum Greifen nah, aber es sind dann doch noch einige Meter und vor allem Höhenmeter, die sich hin und zurück summieren. Zum Glück ist mir das zu diesem Zeitpunkt aber nicht so bewusst, es zieht mich einfach weiter, mein innerer Gipfel-Sprint setzt ein.
Now, at last, my goal gets into sight. I have not expected it to be that far down, but of course there is no way that I might turn before I have reached it. Without thinking twice, I continue, even accelerating my steps.

Zum Schluss gibt es noch ein wahres Zuckerl: ein schmaler Grat will überwunden werden, und das ist meine Königsdisziplin. Egal, wie müde die Beine sind – Gratwanderungen gehen immer! Voller Energie überwinde ich die letzten Meter…
Whoever designed the way knows me well: it may be only 30m of distance, yet the narrow ridge close to the end is so delightful. No matter how tired I may be, these conditions instantly make me a joyful, full-focus, just-live-the-moment-person.


…und dann ist es geschafft! Als ich mich auf der Bank am Kreuz niederlasse merke ich trotz der Euphorie, dass ich seit drei Stunden durch die Bergwelt stapfe. Meistens bergauf, zuletzt zunehmend anspruchsvoll.
Eventually, my hand touches the cross, grateful for the safe ascent. While I settle down on the bench, I realize that three hours of constant hiking have left traces of effort in my legs, my muscles, me.

Vermutlich habe ich auch zu wenig Pausen gemacht, das passiert leicht, wenn man allein wandert. Dafür gibt es jetzt eine kurze Rast und ne ordentliche Gipfelsemmel. Zum Glück sehe ich auf dem Siegerbild so entspannt aus, als wäre das meine übliche Frühstücks-Runde.
Every so often, I forget to pause along the way, leading to a bit of exhaustion once the attraction of the challenge is gone. Yet, as the picture shows nothing less than a relaxed chamois, there is – obviously – no problem at all.

Ich genieße noch ein wenig das Panorama, dann trete ich den Rückweg an. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass der bei dieser Tour etwas zäh werden könnte, schließlich gibt es zwei kleine Gegen-Anstiege und steile Bergpfade, die auch bergab ordentlich in die Beine gehen. Also gilt: Nach dem Gipfelkreuz ist vor der Hütte! Somit ist die Tschafon ab jetzt das neue Sehnsuchts-Ziel. Und sehnsüchtig werde ich bis zur Ankunft noch…
I enjoy the moment, the views and the success of being here. Then, I pick up my backpack, heading (now for real) for the Tschafon-chalet. I voice from the back of my head whispers something about quite some way to go, including two uphill-sections on rough paths. Yet, I do not quite get it: Is not the way to the peak (the cross) meant to be the effort, while all following steps are light and easy? Wel, we will see…

Leave a comment