Nicht nur dem Winter geht die Kraft aus, auch Hector ist seit Wochen schlapp und ohne Energie. Selbst der gute Ökostrom hilft nur noch bedingt, es wird dringend Zeit für Frühjahr und Ferien!
It’s not just winter that’s running out of steam, Hector has also been weak for weeks. Even the green electricity only helps to a limited extent, as my van has been starving for spring and vacations far too long.
…vielleicht doch mal die Regenrinne als Kabelkanal nutzen??
Natürlich habe ich längst einen Plan: Frankreich, Westküste. Gern mit einem Abstecher nach Spanien und einem Umweg über die Côte d’Azur, dazu den Rückweg durch das Jura. Kaum habe ich alles ausgearbeitet, beeinflussen externe Faktoren das Timing – also füge ich der Planung mehr Spanien und die Option auf Portugal hinzu, addiere im Geiste zwei bis drei Tausend extra-Kilometer und bemühe mich um Flexibilität.
Of course, I’ve long had a plan: France, west coast. With a toe into Spanish waves and a detour to the Côte d’Azur, plus the way back through Jura/France. Once I have it all worked out, my plan is blown by external factors. Consequently, I will look for Spain/South + Portugal road books, add two or three thousand extra kilometers and claim to be flexible as hell.
Flexible Guerilla-Charging
In der Zwischenzeit überlege ich, was ich an Hector noch optimieren könnte: ein seitlicher Klapptisch an der Couch? Quadratmeter-weise Insektenschutz an der Schiebetür? Oder die Suche nach einem Ersatzteil für die Kederschiene/Tisch-Einhängung? Am Ende wird es der profane „Umbau“ der Chemie-Toi in eine Trenn-Toilette. Ich erspare euch die Fotos.
In the meantime, I wonder what else I could optimize in my van: a folding couch-table? Square meters of insect screen on the sliding door? Look for the replacement for the piping rail/table suspension? In the end, it will be the mundane “conversion” of the chemical toilet into a separating toilet. I spare you the photos.
Serienausstattung: Extra-Fach für die Salatschüssel
Stattdessen blicke ich zurück auf Hectors Heck. Ganz hinten, oberhalb des Gaskastens, war ursprünglich ein Mülleimer vorgesehen. Abnehmbare Holzscheibe oben, Einfassung aus Pressspan unten. Als ob ein 10-Liter-Mülleimer nicht die Krönung der Platzverschwendung in einem fünfeinhalb-Meter-Bus wären.
Instead, I look back: At the very back of Hector’s kitchen, above the gas tank, a waste garbage can was foreseen (original ADRIA layout). Removable wooden disk at the top, pressboard surround at the bottom. As if a 10-liter garbage can wasn’t the ultimate waste of space in a five-and-a-half-metre bus.
Wer überleben will, muss durchgreifen können
Es folgte der Umbau in vollendeter Schreiner-Kunst: die Einfassung für den Eimer fliegt raus, stattdessen verschraube ich Holzstückchen als Rüttelkante. Und schon habe ich ein Vorratsfach, das sich mit geöffneter Hecktür genauso beladen lässt wie von oben durch die Küche.
Lucky me that I’ve got talent in carpentry: I have removed the surround for the bucket and fixed wood-pieces to the edge instead. Now I have a storage compartment that can be loaded easily by the rear door as well as from the kitchen above.
…fehlt eigentlich nur noch der Koch
Bei aller Flexibilität (wann, wohin…), eins ist sicher: meine 30 x 50 cm Speisekammer wird mich bis ans Meer bringen!
Sure enough, I will survive on my way to the coast, thanks to my built-in pantry!
Entweder man ist jetzt schon im Süden, oder die Energie kommt aus der Steckdose. Seit ich für Hector eine 50m Kabeltrommel gekauft habe, lade ich ihn vom Balkon aus. Und so wird aus einem Diesel ein Vegetarier: Von Winterluft und Liebe leben geht einfach, wenn alle 10 Tage bester Ökostrom einfließt.
…kurz darauf wird dieses Iglu Stromanschluss erhalten
Hector is best in freezing winter-wonderland when charged regularly. Connected to my balcony plug, he is happy with ecologic electricity, keeping both batteries alive. Once spring kicks in, we will be ready to roll!
Die letzte Reise lang vorbei, die nächste in weiter Ferne… Winterzeit ist Arbeitszeit, und während ich Hectors Badezimmer aufrüste, zeige ich nach und nach einige Details aus seinem Innenleben. Herzstück ist das Wohnzimmer mit dem Lounge-Sofa, will sagen: wer braucht schon eine Sitzgruppe, wenn er eine Couch haben kann?!
Winter time is working time, travels seem beyond reach. The standstill is fine for an update on Hector’s interior, with me working in the background and presenting the main facets in a blog series. Major piece inside is, of course, the lounge sofa: a dining booth with benches and a table is best when transformed into a huge couch!
Lieblingsplatz für 1-2 Couchpotatoes und ausgestreckte Beine
2018 habe ich sämtliche Polster neu skizziert, schäumen und beziehen lassen. Nun habe ich auf 1,85m Länge ein großes Sofa, das von drei Seiten mit bequemen Lehnen eingefasst ist und seitlich über einen Beistelltisch verfügt. Die schmalen, dunklen Polster-Teile lassen sich flexibel einsetzen und erweitern die Couch über die gesamte Länge auf 1,25m Breite, was als Gäste-Schlafzimmer seit Jahren bewährt ist.
In 2018, I had all the upholstery redesigned, foamed and covered. I now have a large sofa measuring 1.85 m in length, which is framed by comfortable backrests and a side table. The dark upholstered sections are flexible enough to extend the sofa to a width of 1.25 m, turning the living area into a comfy guest bedroom.
Noch einmal raus, denke ich – fast egal wohin, Hauptsache Hector.
Noch einmal los, denkt Hector – fast egal, wohin, Hauptsache Blick auf‘s Wasser.
Wir sind uns also einig, den Stellplatz an der Isar in Bad Tölz auszuprobieren. Gerüchten zufolge ist es dort meist voll, aber Ende Oktober kommt außer uns bestimmt niemand auf die Idee, sich dort hinzustellen – oder?
One more time, I think – no matter where, just Hector.
One more time, says Hector – no matter where, as long as it’s got a view.
Hence, we head for Bad Tölz, checking out if the camper parking is deserted by end of October.
Nice Destination
Ein gutes Dutzend Mobile steht bereits an der Uferpromenade, aber wir finden problemlos eine hübsche Parklücke. Bei 1,- EUR/Std. kommen wir mit 14,- EUR hin bis morgen früh, und die Zeitumstellung kostet nicht mal Aufpreis.
Some vans and mobile homes are already parked, but it is easy to sneak into a nice spot directly at the river Isar. 14,- EUR make it legal until next morning, and the end of the summer time comes without extra charge.
Zu kalt, um mit den Vorderrädern im Wasser zu baumeln. Trotzdem schön.
Die historische Marktstraße ist hübsch, doch ich gehöre nicht zur passenden Zielgruppe. Aufi, Obbi, Eini = Rauf-Schlendern, Runter-Schlendern, Einkehren. Ich sammle Kraft in der deftigen Speisekarte für den anstehenden Aufstieg zum Kalvarienberg.
I appreciate the main market street with shops, ice cream and a bit of a view. Still, I am beyond their peer group. Instead of souvenirs or sweets, I place my money on real food. An hour later, Bavarian energy (“roast beef with onions” is a half-hearted translation for the rural Zwiebelrostbraten on my plate) pushes me up to the Kalvarienberg.
Next Stop: Kalvarienberg
Ein idyllischer Aufstieg durch lichten Wald, schon liegt der Ort unter mir und die Ansammlung aus Kapelle, Doppelkirche und Ölberg / Golgathahügel vor mir. Als wäre das nicht beeindruckend genug, haben sie auch noch die Aussicht zum Karwendel obendrauf gepackt.
The ascent through light forest is nice, the view towards the Alps is wonderful – and the collection of crucifixion sculptures ghastly. A very particular place…
The View
Die katholischen (Auf-)Bauten sind beeindruckend, malerisch, seltsam und verstörend. Die barocke Front: meisterhaft schön.
Massive beauty on the outside of the church meets the clear, blue sky.
impressing
Im Inneren: wunderschöne Deckenmalerei, verstörende Grab-/Märtyrersymbolik. Weiter hinten und unten geht es in eine zweite Kirche, im gleichen Gebäude – aber das werde ich erst später herausfinden.
Inside, a small passage leads from the first / main church into a second church-room. Being distracted by the painted ceiling, the contrasts of martyrs and beauty, heaven and hell and religion vs. tourism, I might have missed some details. Catholic churches often leave me unsettled, despite all decoration.
contrasting
Auf dem Hügel daneben sind überlebensgroße Kreuze mit leidenden Skulpturen aufgestellt. Auch wenn ich rational nachvollziehen kann, was es mit der Märtyrer-Geschichte auf sich hat, finde ich es befremdlich, die Qual der Kreuzigung so in Szene zu setzen. Einen Eindruck zeigt das recht distanzierte Foto, auf die Nahaufnahme verzichte ich an dieser Stelle.
I wonder if the scenery is less terrifying for kids growing up with this, but deep down, I doubt it.
…
Als ich das Gebäude weiter umrunde, kommt das Schmunzeln zurück. Diese Mauern haben es in sich: zwei ineinander verschachtelte Kirchen, Wohnhaus, Vorrats-/Technikraum und Garage. Das ist geradezu liebenswert-pragmatisch.
Continuing my way around, I find pragmatism, or: from heaven down to earth. The building does not only contain two churches, but also home, cellar and an indoor carport.
pragmatism
Der Spaziergang auf den Hügel hat sich absolut gelohnt. Anfang November treten sich hier alle auf die Füße bei der großen Leonhardifahrt, aber heute geht es beschaulich zu.
Next weekend, it will be crowded on the occasion of the leonhardi procession. I prefer being here today, with bright weather on a quiet afternoon.
Peaceful, after all
Den restlichen Nachmittag verbringe ich neben Hector in der Sonne. Wer weiß, wann es diesen Winter noch mal warm wird.
Later, I spend sunny hours with Hector at the Isar – you never know when winter and summer mix up again in the upcoming months.
lazy on a sunny afternoon
Am Abend schlendere ich erneut nach Bad Tölz downtown, gut erkennbar am spitzen Kirchturm. Oberhalb davon befindet sich die Stadtverwaltung, deren Terrasse heute zur Sternwarte werden soll. Anlässlich der partiellen Mondfinsternis wurden drei Teleskope aufgestellt, die heute den Wolkenhimmel in aller Pracht zeigen. Zum Glück komme ich gerade rechtzeitig hinzu, als die Gruppe Interessierter in das Planetarium schlendert, wo das große Ereignis auf die Kuppel projiziert wird. Dank meines Wissens-Vorsprungs vom Mauna Kea kann ich dieses Mal allen Erläuterungen folgen, verzichte jedoch darauf, die Show zu übernehmen. Will ja nicht versehentlich den Flux-Kompensator beschädigen.
It turns out to be the best evening for my inner physicist: the local observatory company offers free views on the partial lunar eclipse. Well, at least they offer splendid views on the clouds above Bad Tölz. Facing interested public and limited outside conditions, the universal experts lead us inside the planetarium for a projection of interstellar events. Thanks to the recent Mauna Kea experience, I understand the explanations and projected movements entirely – finally, all these years with my nerd-hobby pay off.
Fluxkompensator / Planetarium
Nach der Vorführung ist es immer noch bewölkt und eigentlich zu früh, um schon heimzugehen. Ich mache mich auf, das Abend- und Nachtleben zu erkunden, und lande 20 Minuten später auf Hectors Couch. Wenn die hier was können, dann Bürgersteige hochklappen.
When the show ends, the sky is still cloudy, so I leave the observation offers behind and look for Bad Tölz’s nightlife. Twenty minutes later, I am back on Hector’s lounge sofa, stunned by the black hole of local options. This place is pretty nice for a day, knowing that I will get back to a real city with real life the very next day.
…then at night…
Am nächsten Morgen erwische ich noch einen Rest Sonnenaufgang, bevor ich zurück in die Großstadt fahre. Wer denkt, München sei ein Dorf (wenngleich hübsch), war noch nicht in Bad Tölz. Der Wochenend-Ausflug war jedenfalls wundervoll und ich kann verstehen, dass der Camping-Stellplatz mit rd. 50 Mobilen auch im Herbst noch recht voll ist.
Long night, deep sleep, a typical Hector phenomenon. When I wake up, I catch the last glimpse of a colourful sunrise. The camper parking is not crowded, yet the current number of ca. 50 camping cars cover most of the space – even in late autumn. Hector is fine with our end-of-season trip, and so am I.
Sorgfältig geplante Spontaneität ist mein Spezialgebiet, doch manchmal rinnen einem die Vorhaben durch die Finger wie die Körner in der Sanduhr. 2023 ist so ein Jahr: es fing gut an mit dem Trip nach Hawaii, wurde dann doch kein Surf-Urlaub und hat sich dennoch gelohnt. Dann opferte ich den Münchner Sommer dem Luxemburger Projekt, zudem verschob ich die Herbst-Urlaubspläne auf irgendwann. Dann kam die Wiesn, hoch erfreut gestartet, viel zu früh ausgebremst. Wer schon mal längere Zeit keine Stimme hatte, verliert jedes Interesse an Schweige-Gelübden. Was mir zunehmend fehlt, ist mein aktives Leben voller Hobbies, Freunde, Sport und Reisen.
Thorough spontaneity, that is so me! It is only sometimes that life does not develop as planned. Starting great with Hawaii, then with a certain lack of surfing – worth it nonetheless. Then Luxembourg takes over, with an interesting city to explore, but keeping me busy way too much. Then Oktoberfest, just slightly – before health-issues took over, being nothing to talk about. As months go by, I detect that I have come to miss a lot of hiking, hobbies, friends and sports. Not to mention holidays.
Gefühlt sitze ich seit Monaten auf der Couch oder am Luxemburger Schreibtisch, war seit Jahren nicht richtig im Urlaub und Hector steht auch die meiste Zeit. Noch dazu fehlen die Feiern, die Kultur, die Konzerte und das Tanzen.
It seems like ages that I combine duty and convalescence, far from long-lasting holidays, cultural life and other festivities.
Tatsächlich ist es halb so wild: Swing-Tanz am Dianatempel, Tollwood, Bigband-Konzerte und auch ein bisschen Wiesn-Zauber.
In fact, I have been dancing a lot at the Dianatempel / Munich. I have been to some festivals, enjoyed big band concerts and soaked in the atmosphere of the Oktoberfest.
Und auch Hector ist herumgekommen: Regensburg,…
Despite having cancelled more than one trip this year, Hector has been around quite a bit: Regensburg…
… Hamburg …
… und fast fünf Tage im französischen Jura. Gut, keine Wellen, keine neuen Länder und kein Party-Wochenende in Lorsch. Finde ich genauso blöd wie Hector, ist aber nicht zu ändern. Wir bereiten uns nun von langer Hand auf das Reisejahr 2024 vor, und wir werden die Herausforderung ernst nehmen!
… and almost five days in Jura / France. Still missing Atlantic waves, no new states to explore and (just lately) no party-weekend at Lorsch. Disappointing, for sure. On the other hand, best is to look forward: to the next big travel year, to 2024!
Jetzt bin ich schon den 4. Tag im Urlaub und immer noch müde. Dabei habe ich ordentlich Abstand zur Arbeit, insgesamt fahre ich binnen fünf Tagen 1.200 km, das muss doch helfen?! Ich blicke auf das vorbeiziehende Wasser der Loue und überlege, wie sich das Jura in zukünftige Reiserouten einbauen lässt, mit zusätzlicher Zeit für Action und Genuss.
Fourth day of micro-holidays and, despite the distance to my job (>500km), I wake up tired every morning. I watch the waters pass by, all down the Loue, and sketch plans: With slight changes in my travel route, the Jura region might be a wonderful stop between Munich and the Atlantic ocean.
Riverside Pitch
Der Woka-Camping Radeliers ist modern, entspannt und wie gemacht für einen Grill-Abend. Nachdem das Restaurant auf der anderen Straßenseite keinen Tisch mehr für mich hatte, geschieht es ihnen nur recht, wenn sie im Rauch meines angekokelten Grillkäses sitzen.
Before I will get back to work, I enjoy the evening at Woka Camping Radeliers. Relaxed, open, comfy – perfect for delicious BBQ. I learn about the stickiness of barbecue cheese and the restaurant next door learns about consequences (fully booked for days, don’t they know that they should always hold back some seats for spontaneous campers?). However, after a while the tasty smoke of burnt cheese disperses in mild summer air.
Je nach Wasserqualität lädt der Fluss ein zu Kajak-Touren, doch dafür fehlt mir Zeit und Muße. Für heute bin neugierig, was der Ort Port-Lesney noch so bietet und schlendere los.
The Loue is known for kayak trips, but due to a lack of time (and, currently, low water quality), I skip it. Instead, I stroll around the street of Port-Lesney, checking out what if offers.
Port-Lesney, Church
Zehn Minuten später kenne ich mich aus: Der Ort bietet eine Kirche (verschlossen), ein Café-Restaurant (nur wochenends geöffnet, zu ausgewählten Stunden), das bereits erwähnte Restaurant sowie ein-einhalb Brücken. Dazu ein Dutzend stille Wohnhäuser und eine kaum befahrene Durchfahrtstraße.
Ten minutes is all it takes to detect the highlights of the village. A church (closed up), a café/restaurant (open two days per week for few hours), the fully booked restaurant and one-and-a-half bridges. Add a dozen houses and you see the full picture.
Avignon look-alike
Müsste ich morgen nicht schon zurück nach Luxemburg, ich könnte hier gut und gern 1-2 Tage herumhängen und irrsinnig viel NICHTS tun. Eines Tages, wenn ich meine Work-Life-Balance besser im Griff habe, komme ich zurück und mache das.
It would be the perfect spot for doing NOTHING over days. One fine day, I will come back and celebrate that – but before that, I will need to go back to work…
Und dann kommt der Tag, an dem ich Aufpreis dafür zahle, fremden, männlichen Campern so nah wie möglich zu kommen… Zudem habe ich mir einen Campingplatz neben einem kleinen Waldsee gesichert, insgesamt also beste Voraussetzungen für romantisches Baden im Abendlicht – oder nicht??
One fine day, I give in to an extra fee, bringing me as close to foreign male campers as possible. The setting includes a hidden lake right around the corner; hence: Expect nothing less than a romantic swim in golden light before sinking into strong arms. Life is all about expectations, right?!
Expectation
Die Gegend hier besticht durch unzählige Flüsse, Wasserfälle und kleine Seen, Bademöglichkeiten zuhauf. Ausgerechnet neben der Ausnahme, dem Lac de Bonlieu (Baden verboten und auch nicht reizvoll), steht Hector auf dem Camping de l’Abbey. Genauer: auf dem PMR-Platz. Was ich für eine Abkürzung „mit Strom“ hielt, bezeichnet in echt „Personnes de Mobilité reduite“, ich stehe also auf dem Behindertenplatz. Neben dem Aufpreis und dem in absurden 2m Böschungs-Höhe angebrachten Stromanschluss ist der größte Vorteil die Nähe zur Herrentoilette. Drei Meter von der Parzelle zum Urinal, das ganze bei top Akustik, ich bin ein Glückspilz. Der Campingplatz ist ausgebucht und die Platzleitung reagiert auf meinen Wechsel-Wunsch freundlich, aber unnachgiebig (und maximal unerfahren, aber das ist eine andere Geschichte). Kurz gesagt, meine Motivation, den Nachmittag am Campingplatz zu verbringen, ist ebenerdig.
Having umpteen rivers, waterfalls and lakes around, I have managed to choose the only campsite situated at a non-swimming-lake. Still, I can top it: my reserved pitch turns out in short distance to the men’s toilets – obviously, PMR is not the abbreviation for electricity, but rather for the handicapped. The next two days, I focus more than ever on sparkling Hector, aiming to avoid the sneak preview to the other side…
I preferred the Belvedere at Pupillin
Ich suche nach Alternativen für den Nachmittag: 30°C, sonnig – die kommende Stunde suche ich vergeblich einen Parkplatz ohne Höhenbegrenzung, der noch nicht vollständig belegt ist. So schön es hier ist, die Gegend bietet auffallend wenig Badezugänge / Parkplätze und Mittelstreifen.
Seeking alternatives for the afternoon, I am lost in mainstream-destinations. Given the sunny 30°C, I am not the first one looking for a parking slot. In fact, this region is more about nature and less about accessible beaches or central strip roads.
Rough Region
Ich habe heute kein Bikini-Karma. Stattdessen parke ich entspannt beim Pic de l’Aigle und ergänze meinen Mikro-Urlaub um eine Mikro-Wanderung. Knapp 15 Minuten genieße ich Schotterwege, Waldwege, Serpentinen, Steinstufen und kraxlige Felsen, schon bin ich oben und blicke auf das türkisfarbene Wasser des Lac d’Ilay. Von hier aus könnte ich ein wenig weiter wandern und käme bis zum Belvedere des 3 Lacs, aber das finde ich erst später heraus.
Instead of a dive , I go for a hike: You can take it slow (or you can be me) and enjoy the paths, the rocks and the steps all op to the Pic de l’Aigle. 15-30 minutes is all it takes, then the Lac d’Ilay lays at my feet. It looks untouched, mostly surrounded by trees and grass, all peaceful.
Up for a HikeLac d’Ilay
Am nächsten Tag lasse ich den ungeliebten Campingplatz hinter mir und finde fast auf Anhieb, was ich suche: einen großen Parkplatz für Hector und einen türkisfarbenen See für mich. Ich packe Kaffee und Frühstück ein und spaziere zum Ufer des Lac de Narlay. Den kleinen Bootssteg lasse ich links liegen und gehe stattdessen zum gleichnamigen Campingplatz, nur, falls das zukünftig auch dem kleinen Hector gefallen könnte.
Wondering if Hector might like it here…
The next day rewards me with a whole bundle of Jura’s specialties: I grab a cup of coffee + the last tartelettes and leave Hector on the central parking at The Coin d’en Haut, a mere 1.000m from Lac de Narlay. I walk down to the lake and decide for the “Camping Lac de Narlay” – not for a stay, but for their rocky plateau at the shore.
All set for Breakfast
Die dünne Wolkenschicht dämpft die Stimmung der Fotos, ist der meinen aber umso zuträglicher: Es ist nicht zu heiß, sondern perfekt für ein ausgedehntes Frühstück, ein gutes Buch und einen Sprung in das verlockende Türkis. Dank Feld-Wald-Wiesen-Umgebung vergesse ich die Zeit, die Arbeit und den Rest.
Relaxed
Light clouds lead to shady pictures, but are just perfect for me: With the tiniest bit of sunscreen, I enjoy my coffee, a long breakfast and a good book. The turquoise temptation is refreshing without being cold, while cliffs invite the daring ones to jump in with a splash. A great place to forget about time and work!
„Wildswimming Frankreich“, das Buch hat mich hierher gelockt. Genauer: die Bilder von den Cascades du Hérisson.
“Wildswimming France”, that has been the initial spark for my Jura-micro holidays. The book is full of ideas, where to jump into a river, a lake or anything in between, such as waterfalls.
Gravity
Der erste Wasserfall ist ein Hochstapler mit wenig Wasser, und doch mag ich es hier: keine Absperrung, keine Park Ranger, kein Eintritt. Je nach Schuhwerk kann jeder seine bevorzugte Perspektive einnehmen, ob von oben oder lieber hinter dem Wasserfall-Vorhang.
The path along the waterfalls is the touristic highlight around here. It starts with a high, but thin intro. What I like best is the free access: no entrance fee, no barriers – you can easily walk behind the waterfall and choose your preferred perspective.
down under / behind / wherever you prefer
Die Wanderung entlang der Wasserfälle und Gumpen ist das Highlight der Region, und es lohnt sich. Nach dem ersten Wasserfall taucht der Weg ein in lichten Laubwald, es wird mit jedem Schritt zauberhafter.
From here, the route leads to a light forest. Guess 9:30 a.m. is too little too late for flying elves, yet the surrounding enfolds it’s charm.
enchanting
Von einer historischen Mühle stehen nur noch Grundmauern, aber auch das passt hier gut rein.
Leftovers from a historic mill tell the story of ancient times, when tourism was a luxury for royals only.
Leftovers
Ich wandere weiter, noch ist es recht leer um mich herum. Was für eine wundervolle Gegend das ist! Wasser und Wein sind beide gleichermaßen lohnenswert in diesem Zipfel Frankreichs.
At this hour, few people follow the path through this picturesque landscape. Obviously, water and wine are both worth a trip in this Eastern corner of France.
All about Perspectives
Die Wasserfälle und Gumpen sind südwestlich ausgerichtet, die wenigen Meter mit tieferem Gewässer liegen noch im Schatten. Ich entscheide mich für das Nächstgelegene und laufe ein wenig über’s Wasser, soll mein Bikini sich ruhig mal langweilen!
The waterfalls face West and their water basins are shady during morning hours. Consequently, I ignore the bikinis in my backpack, and decide to walk on the wet surface for a change.
Swim another day
Wenn ich das nächste Mal in der Gegend bin, probiere ich es Nachmittags. Außerdem passen meine rosa Badeschuhe bestimmt prima in die Gegend, die Flusskiesel sind nämlich sehr spitz.
Mental note to myself: next time, I will choose a sunny afternoon and get more into swimming. And, despite the massage effect of the rough pebbles, it might be a good idea to add pink swimming shoes to the picture.
Inzwischen kommen minütlich mehr Touristen entlang des Wegs. Zudem werden die Pfade flussabwärts immer rutschiger, das Ausweichen wird kompliziert. Egal, was der Fluss noch an Kaskaden zu bieten hat, die magische Stimmung der ersten Stunden lässt nach. Ich wandere zurück und gönne mir ein köstliches Mittagessen in der Auberge du Hérisson.
Meanwhile, more and more tourists, groups of tourists and families shuffle in. The peaceful atmosphere of the first hours fades, so I change my focus, heading for lunch at the Auberge du Hérisson. Someday, I will come back to soak in the light and the fairytale scenery once again.
Ist man erst mal im Jura angekommen, sind die Entfernungen nicht mehr groß. Anders ausgedrückt: Es ist halb so wild, dass ich das Ziel von morgen in mein Navi von heute eingebe… Nur eine gute Stunde, nachdem ich Arbois leergekauft habe, parke ich Hector an der Quelle des Loue.
French Jura is a region of limited distances. Good for me, when typing tomorrow’s GPS data in today’s destination. After the successful transmission of local delicacies in Hector’s fridge, I look for the waterfall at the source de la Loue.
Source de la Loue
Es ist nett, aber nicht so spektakulär wie gedacht. Und mit den angelegten Asphalt- und Metallwegen ist dieser Abschnitt auch eher touristisch als malerisch. Mein Reisebuch „Wildswimming Frankreich“ verweist auf eine flussabwärts gelegene Badestelle, aber die wenig ausgetretenen Pfade dorthin sehen nicht sehr einladend aus.
It is a nice, touristic nature monument. The access to the main attraction = source of the river Loue is easy enough, all concrete and steel paths. Obviously, no one ever goes beyond this point – the hiking routes seem deserted and untouched ever since. I decide to skip the idea of a splash in the wild swimming spot that is indicated in my Wildswimming Frankreich book.
Explore Jura
Ich mache ein letztes Bild der gerade entsprungenen Loue, überfliege die verblassten Infotafeln zum Energiekraftwerk und schlendere zurück zu Hector. Theoretisch habe ich einen Campingplatz in unmittelbarer Nähe zu einem See gebucht, das verlockt meinen Bikini mehr als eine verwunschene Fluss-Schleife.
After a last picture of the Loue source, I pretend to read thoroughly the information about technical / energy / things, then get back to Hector. I have in mind that today’s campsite is close to a small lake, and my bikini aims for a swim.
La Loue
Bevor ich in Richtung Bonlieu aufbreche, schaue ich noch von oben auf die Schlucht der Loue. Der „Wanderweg“ dorthin ist 500m kurz und führt an der „Mairie“ von Rénédale vorbei, die in ihrer Abgelegenheit nur von den Steuerspar-Waldhütten der Unicredit übertroffen wird.
Before I turn towards Bonlieu, I make a detour to the path that leads to a lookout point above the Loue waterfall. On my way, I pass by the lonliest „Mairie“ of the village Rénédale , looking as lost as the belvedere. It is a nice view, knowing that “nice” is almost the opposite from splendid.
ganz nett
Ich lasse diese hübsche, aber etwas öde Gegend hinter mir und steuere voller Vorfreude zum Camping de l’Abbey. Zu diesem Zeitpunkt ahne ich noch nicht, dass der Campingplatz sehr basic und der nahe See nicht badetauglich sein werden…
It is time to leave this lost place behind and look forward to the Camping de l’Abbey. Who would have guessed that the camping is very basic and the lake unsuitable for swimming…
Heute erkunde ich mit Hector den Genuss-Ort des Jura und lerne nebenbei, warum ich als Kind immer pasteurisierte Milch trinken musste.
Today, I explore the Jura’s relish capital and learn why childhood has been all about pasteurized milk.
Arriving at Arbois
Kurz vor 10 Uhr rollen wir gemütlich nach Arbois und finden problemlos einen Parkplatz an einer der Hauptstraßen. Der Fluss Cuisance fließt dunkel und träge durch den Ort, aber ich halte mich nicht lange auf, schließlich locken die Tipps der Queen of Kulinarik (danke, Ute!).
10 a.m. is the perfect time for free parking and the world’s best tartlets for breakfast. While the Cuisance streams calmly through Arbois, I move on with a bucket list I received from Frankfurt’s most famous connoisseur of food & wine.
Cuisance
Die Ortsmitte kann man gar nicht verfehlen: bunte Girlanden überdachen sternförmig den großen Platz, ein bisschen wie ein Zirkuszelt mit Himmel.
Orientation is easy around here, as they flag the central place with garlands and blue sky.
Arbois, Central Place
Direkt am Platz finde ich mein erstes Ziel, Patisserie Hirsinger. Hier entstehen feinste Pralinen und finden ihren Weg in die Welt bis nach Japan. Ich bin versucht, auf gut Glück ein paar dieser Sünden zu kaufen, aber es geht noch besser: das Sortiment umfasst so ganz nebenbei sieben (7!!!!) Sorten glutenfreie Törtchen. Ich bin im Himmel und will sie alle, 6 verpackt und 1 sofort.
I stop at patisserie Hirsinger with the vague idea of finest pralines. Lucky me, I do not have to leave the path of good nutrition, as they offer 7 (seven!!!) varieties of gluten-free tartlets. Sure enough, I order them all – 6 for the road and 1 for the inviting outdoor tables and a coffee.
Sweet Life
Das Macaron-Erdbeer-Pistazien-Kunststück ist ein Gedicht. Ich mag das, wenn im Urlaub entspanntes Camping und kulinarischer Luxus so eng beieinander liegen.
Der nächste Tipp bringt mich zur Fruitiere, wo sie mit einem Laserschwert große Laibe Comté zerteilen. Der Direktverkauf hat noch viel mehr zu bieten, für mich reichen heute 3 große Käste-Scheiben in unterschiedlichen Reifegraden.
Perfect holidays combine simple camping and luxury food, and the macaron-strawberry-pistachio oeuvre fits right in. From here, I walk up to the Fruitiere, where I watch them cut loafs of comté with nothing less than a lightsaber (or so it seems).
World of Comté
Während meiner Streifzüge durch den Ort entdecke ich mehrere Plakate: Festival hier, kostenlose Konzerte da, Open Air Musik Sonntags und überhaupt. Vor allem in der Hauptsaison von Juli bis September ist hier viel geboten – und die Touristenmengen sind im Vergleich zur Côte d’Azur eher niedlich. Schließlich laufe ich auch am Haus von Louis Pasteur vorbei, dem Erfinder der pasteurisierten Milch. Sein Konterfei sieht allerdings eher so aus, als wäre die Milch sauer geworden…
Along my way through Arbois, I find out that July – September is full of highlights: restaurants, wine shops, arts and concerts. Clear enough, I rather make precise plans for next year, aiming to spend more than just a day in this wonderful area.
One of the local heroes is Louis Pasteur, the man who invented pasteurized milk. I can tell from the look on his face, that he was desperately seeking a remedy against sour milk …
…
Schließlich erbeute ich noch Bio-Crémant von der Domaine de la Pinte, dazu Obst und Salat und wieder einmal reize ich das Maximum von Hectors Kühlschrank aus. Ich nehme mir fest vor, meine zukünftigen Reisen besser zu organisieren: hier will ich irgendwann mehrere Tage verbringen, mich durch die Restaurants futtern, hervorragende regionale Produkte kaufen und das Leben genießen.
I add organic Crémant from the Domaine de la Pinte as well as fruits and salads before I get back to Hector. Once more, I manage to pile up kilos of wonderful food in my tiny fridge. Thinking back to my first camping trips (age 18, cheap tent and minimum equipment), I admit that vanlife with Hector is more tasteful.