• Dubai_G2pDer Burj Khalifa ist mit seinen 828 m Höhe das Highlight der Stadt und der Welt. Auch wenn die Aussichtsplattform nur im 124. Stock liegt ist die Perspektive geradezu ernüchternd: Wie unfertig Dubai doch ist, und wie sinnlos in dieser Weitläufigkeit die Skyscraper wirken. Gerade die Gegend, die als „Downtown“ bekannt ist, kann kaum als Stadt bezeichnet werden, sondern eher als verstreute Ansammlung einzelner Hochhäuser, die einzeln zwischen Autobahnen und Baustellensand aufgestellt wurden. Ohne Verbindung, ohne echtes Stadtleben.

    Dubai_G2fDubai_G2gAm Horizont sieht man im Dunst die Welt im Meer versinken. Eigentlich lässt sich gar nicht so genau sagen, ob sie sich gerade aus dem Meer erhebt oder darin unter geht, das Projekt der künstlichen Inseln in Welt-Form ist in den letzten Jahren ins Stocken geraten. An der Antarktis wird kräftig gebuddelt und Sand aufgeschüttet und auch von der Arktis sind die Ränder stabil befestigt, aber nur drei der Inseln sind bisher bebaut und die Zukunft der Sandhäufchen ungewiss.

    Dubai_G2maDubai_G2nWenn ich Scheich wär, würde ich auch lieber in die schicken Hochhäuser von Downtown investieren als in Sandburgen im Meer. Und wer kam eigentlich auf glorreiche Idee, ein auf Sand gebautes Traumschloss ausgerechnet „Atlantis“ zu nennen?? Ich nenn‘ doch eine Yacht nicht ausgerechnet „Titanic“…?! Naja, hoffen wir das Beste.

    Dubai_G2oBevor wir zu den Yachten kommen, brauchen wir erst mal eine Stärkung. Mit glücklichem Händchen sitzen wir vor der Dubai Mall im Schatten und genießen Fisch und Gemüse, als unerwartet die berühmten Wasserspiele mit Musikbegleitung im künstlichen See beginnen. Sonst nur abends und völlig überlaufen, erleben wir einen Testlauf des Spektakels (fast) direkt vor unseren Augen und ohne Anstehen, Drängeln oder Terminplan. So viel sich die Emirati in Disneyland abgeschaut haben, so gut sind sie (meistens) in der Umsetzung: Rund um die Dubai Mall wird das an allen Ecken sicht- und hörbar, von den multimedia-Hightech-Aufzügen des Burj Khalifa bis zur Inszenierung mit klassischer Musik, die das Wasserspektakel untermalt.

    Dubai_G4bDanach geht es beschwingt zur Metro, auch wenn unser Schwung im Lauf der Strecke deutlich abnimmt. Optimisten laufen in den ersten Teilstücken noch aus eigener Kraft zwischen den Laufbändern, aber nur wenige km weiter werden die ersten erschöpft zurück bleiben. Nicht allein, dass die Dubai Mall 1.124.000 m² Fläche hat, die erst mal durchschritten werden will, darüber hinaus liegt die Metro-Station gefühlt in einem anderen Stadtteil. Immerhin ist die Gangway klimatisiert und bietet schöne Ausblicke auf das umgebende Stadtbild, aber die 800 m Entfernung, die Wikipedia aufruft, hat vor uns offensichtlich noch keiner nachgemessen. Zum Glück sind wir jung und sportlich und schön und sitzen geraume Zeit später endlich in der blitzsauberen Metro, um quer durch die Stadt bis zur Marina zu rollen.

    Dubai_G6aMarina ist eine Offenbarung, mit der ich nicht gerechnet habe: das Leben hier ist bunt gemischt, die Hochhäuser stehen fast so dicht wie die Yachten in ihren Anlegeplätzen liegen, es ist immer belebt und die Promenade ausgestattet mit etlichen Cafés, Restaurants und Geschäften. Jogger laufen durch Weihnachtspalmen und die ständig verstopften Straßen spielen keine Rolle mehr, wenn man erst die ruhigen Wasserarme erreicht hat. Auch die verhältnismäßig kleine Marina Mall gefällt, da es hier weitaus ruhiger zugeht als in den wuseligen Malls zwischen Downtown und Jumeira.

    Dubai_G6cZwei Abende in Folge genießen wir internationales Essen im Yachthafen und sehen dabei Clowns (fade) und Breakdancern (muskulös) zu, die beim Streetlife Festival genau vor unserer Nase auftreten.

    Dubai_H2eM und ich legen noch einen weiteren Touri-Tag ein und besteigen am nächsten Morgen die Ferry, die von Marina aus entlang der Küste bis nach Bur Dubai / Deira fährt.

    Dubai_H3Die Beschreibung von Bur Dubai liest sich im Lonely Planet verlockend, es ist die Rede von günstigeren Hotels, kleinen Restaurants aus aller Herren Länder, indischen Einflüssen und alten Stadtteilen. Ganz so anheimelnd ist es bei Lichte betrachtet dann doch nicht, zumal das (künstlich wieder aufgebaute) Heritage & Diving Village um die Mittagszeit geschlossen hat, so dass wir es für heute mit der Betrachtung von außen gut sein lassen.

    Dubai_H7Durch quirligen Verkehr, aufkommende Hitze und ungewohnt verschmutzte Straßen zieht es uns nach Bastakiya, wo in historischen Gebäuden zeitgenössische Galerien und kleine Kunsthandwerk-Läden angepriesen werden.

    Dubai_H6Das Viertel strahlt wohltuende Ruhe aus und die engen Gassen zwischen den Lehm-Korallen-Gebäuden werfen kühlende Schatten als wir hindurch schlendern. Es gibt keinen großen „Wow!“-Effekt, aber immer wieder kunstvolle Details zu entdecken.

    Dubai_H8Ich liebe ja augenzwinkernde, zeitgenössische Kunst. Da darf auch der schöne alte Innenhof des XVA Art Cafés in Plastikfolie mit Blümchen verpackt werden, auch der pink gefärbte Bart des irakischen Künstlers hat was, nur die restlichen Bilder, kopfüber hängende Puppen und kriegerische Geräusch-Installationen wirken leicht verstörend. Egal, M hat alles im Griff und thront königlich inmitten von Kunst und Historie, zeitlos geradezu.

    Dubai_H5Als nächstes entern wir eines der Abras (Wassertaxi) und setzen für 1 Dirham = 20 €-cent über auf die andere Seite des Creek. In der Luft hängen die Abgase der Abras und Dhaus (alter Segelschifftyp, ergänzt um stinkende Motoren), aber irgendwie passt das in das wuselige Viertel. Die Dhaus wirken altertümlich, werden aber auch heute noch eifrig genutzt, um Waren aus aller Welt anzulanden, umzusortieren und weiter zu verteilen.

    Dubai_H9bEtwas mühsam suchen wir uns den Weg zum Gold Souk: eine überdachte Ladenstraße mit Schmuckläden rechts und links und angeblich den besten Goldpreisen der Welt. Das Angebot wirkt erschlagend und zum Glück strahlen wir auch schmucklos genug, ohne dass wir mit Armreifen oder Klunkerringen nachhelfen müssten.

    Dubai_H9aWenn man sich auskennt, ist es vom größten Goldring der Welt nur einmal-rechts und einmal-links und schon öffnen sich die engeren Gassen des Old Spice Souk mit getrockneten Limetten, Safran, Nüssen und Tee in riesigen Säcken. Wenn man sich nicht auskennt, landet man vorher im Haushaltswaren-Souk, im Matratzen-Souk, Textil-Souk und diversen Kleingeräte-Läden… Nebenbei gelernt: in diesem Land mindestens 3x nach dem Weg fragen, damit sich unter den verschiedenen Antworten zumindest eine Tendenz für die einzuschlagende Richtung ergibt. Bevor hier jemand zugibt, etwas nicht zu wissen, wird lieber in’s Blaue hinein geantwortet, daran müssen wir uns erst noch gewöhnen.

    Die Märkte wären eigentlich ganz schön, wenn die Händler etwas zurückhaltender wären. Wir sind froh und stolz, die „alten“ Souks gefunden zu haben und wissen das Angebot an sich auch zu schätzen. Dennoch sind die Märkte in anderen Teilen der Welt vielfältiger und wirken irgendwie echter. Hier lässt sich das Gefühl nie ganz abschütteln, durch eine Touristenkulisse zu laufen.

    Bevor wir der Marktschreier überdrüssig werden erstehe ich mit Ms Hilfe noch zwei Pashmina-Schals, die für die erste Zeit tatsächlich aus 100% Kaschmir zu sein scheinen. Gern würden wir noch nach luftigen Tunikas stöbern und farbenfrohe Seidenstoffe bewundern, aber die beständige Abwehr diensteifriger Verkäufer zusammen mit der sommerlichen Hitze ist inzwischen zu viel. Als Gegenpol tauchen wir ein in die klimatisierte Reinraum-Welt der Metro, die uns günstig quer durch die Stadt trägt.

    Postkarte1Eine Woche ist schnell verflogen. Wie bei jedem schönen Urlaub fallen mir am Abreisetag noch hundert Dinge ein, die ich tun und sehen könnte: Ausflug nach Abu Dhabi, Besuch der Museen und Heritage Villages, Quad-Fahren in der Wüste, Kamelritt, Oasenbesuch, Frühstück mit Einheimischen im kulturellen Austausch, Hotel-Aussichtsbars undundund.

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    Ich hebe es mir auf für spätere Besuche und genieße stattdessen einen Vormittag am Pool, bevor mich ein belehrender Taxifahrer zum Flughafen bringt. Die halbe Fahrt hindurch hält er mir Vorträge über sein klar nach schwarz und weiß eingeteiltes Weltbild: die gute = arabische Kultur einerseits und die englisch-sprachige = alkoholisierte und somit böse Kultur andererseits. Am meisten daran begeistert mich mein Durchhaltevermögen, mit dem ich zurückhaltend schweige.

    Dubai_G2iDie Ausreise aus diesem widersprüchlichen Land spiegelt meine Einreise 1:1 wider: nachdem der barsche Mensch am Einreiseschalter vor einer Woche meinen Pass nicht mit dem passenden Einreisestempel versehen hat, fehlt mir die Grundlage für die Ausreise. Immerhin sind heute sämtliche Beamte (vor allem die in den Dishdasha, weniger die in Uniform) freundlich und gelassen, während sie mich vom Kotroll-Schalter zum 3. Büro rechts und vorn dort zum nächsten Kontrollschalter und zu einem weiteren Passkontrolleur und wieder zum Schalter schicken. Schließlich erhalte ich einen bedeutsamen Stempel auf mein Flugticket und darf weiter.

    Der Heimflug ist wie der Hinflug, nur besser: der Sitzplatz bequemer, das Essen aromatischer und die Aussicht noch schöner.

    Blick auf den Ararat
    Blick auf den Ararat

    Über dem vorderen Orient (oder wo auch immer wir gerade sind) ist der Blick über weitgestreckte Bergketten mit Schnee, einzelne Seen und dünne Besiedelung fantastisch und ich komme kaum dazu mich mit meinem Buch, dem Filmprogramm und den Postkarten auseinander zu setzen. Einige Stunden später ist der Urlaub offiziell vorbei, wie unschwer an den schneebedeckten Wiesen des kalten Münchner Flughafens zu erkennen ist.

  • Dubai_C5a„Ich will aber mit! Ich will mit Kamelen spielen und mich in Sanddünen wälzen und über zehnspurige Autobahnen düsen ohne zu blinken, nur mit Hupe!“

    „Nein Hector, diesmal nehme ich das Flugzeug.“

    „Aber andere machen es doch auch!? Zum Beispiel der riesige Ford Pickup Truck mit seinen 6m Länge, der ist größer als ich und fährt 1a durch die Wüste!“

    „Der wiegt aber auch nur ein Drittel von dir. Solange du nicht auf allen Vieren gleichzeitig Gas geben kannst, ist der Weg nach Dubai kein geeignetes Hector-Revier.“

    Während Hector schmollt und irgendwas grummelt wie „…wer ist hier fett??“, fliege ich also nach Dubai. Es ist Mitte März und Zeit, die dorthin ausgewanderten Freunde zu besuchen.

    Postkarte2Beim Einsteigen ins Flugzeug fällt sofort auf, wie bequem der Sitz ist. Für Menschen < 1,50m Körpergröße. Der Gurt sitzt fest, solange man sich nicht bewegt, aber das künstliche Wurzelholzdekor am Fensterrahmen reißt den Qualitätsanspruch natürlich wieder raus. Macht nichts, das Entertainment-Programm an Bord ist gut sortiert und die Sicht aus den Bullaugen geradezu berauschend.

    Dubai_A1Bemerkenswert ruhig schwebt der Flugsaurier unter den Flugzeugen (A380-800) in Dubai ein. Allerdings fliegen wir zunächst an der Stadt vorbei, aber noch bevor ich die Crew darauf hinweisen kann, bemerkt der Pilot seinen Fehler und dreht rechtzeitig bei.

    Dubai_C1Nächstes Highlight: die automatische Passkontrolle! Zunächst wird der Pass von jedem Versuchs-Touri eingescannt und vermutlich für die Ewigkeit gespeichert, dann fordert eine Automatenstimme: „Please contact the passport control.“ Stolz in dunkelgrüner Uniform scheucht Mr. Wichtig jeden hinter eine gelbe Linie: „Stand the line! Stand the line!!“ und gibt erst Ruhe, als sich rd. 45 Menschen in einer engen Warteschlange ausgiebig auf sämtliche Füße getreten sind. Wir warten und betrachten nonchâlant die 20 Passkontroll-Zugänge, die aus unerfindlichen Gründen nicht zur Benutzung oder nicht für uns oder nicht heute jedenfalls nicht freigegeben werden. Nach 10 untätigen Warteminuten werde ich durch einen schmalen Gang zu einem Passkontroll-Menschen gefuchtelt, der hauptsächlich Flugzeiten am Telefon durchgibt und nebensächlich meinen Pass nimmt, drauf schaut, zurück gibt und mich müde durch winkt. Zu diesem Zeitpunkt mache ich mir über den fehlenden Einreise-Stempel noch keine Gedanken.

    Postkarte4Einmal angekommen, wird alles leichter. Ich werde mit gebührender PS-Zahl am Flughafen abgeholt und auch in den folgenden Tagen habe ich Urlaub mit allem. Mit Strand und der verwunderten Betrachtung von durchtrainierten Macho-Männern und entspannten Frauen, es ist kaum ein Unterschied zu anderen schönen Stränden der Welt festzustellen: Badeshorts und Bikinis statt Bade-Burka, und das, obwohl sich zum Kite-Beach keine Touristen verlaufen.

    Dubai_C2Nach Strand, BBQ Nr. 1 (bei Freunden) und Pool folgt BBQ Nr. 2: es geht ab in die Wüste, wo wir von Ferne ein paar Kamele sehen und ansonsten die weitläufige Ruhe von endlosen Dünen, Sternenhimmel und jeder Menge Sand genießen.

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    Wer was auf sich hält, schickt seine Freunde in die Wüste

    Dubai_C3aVerglichen mit dem Irrsinn der Stadt ist es hier draußen angenehm ruhig und leer, der Blick schweift in drei Richtungen scheinbar endlos zum Horizont aus Sand, Sand und noch mehr Sand. Obwohl wir noch nicht tief in die Dünen gefahren sind (Enten und Schwäne sind dank künstlichem Wüstensee gar nicht so weit weg), kehrt Ruhe ein, kaum dass man den Motor abgestellt hat. Kein Wunder, dass Kinder so gern in Sandkästen spielen: die Umgebung entspannt einfach.

    Dubai_C6Dubai_C9cAuch die nächsten Tage werde ich komfortabel durch Dubai kutschiert und bewundere dabei die kraftvollen Monumente dieser Stadt.

    Dubai_D1Die Architektur kennt keine Grenzen und grundsätzlich gilt: je größer, je besser. Und auffällig. Und teuer. Und bis zur Expo im Jahr 2020 wird sich die Skyline der Stadt jedes Jahr verändern und wachsen. Die erste und fertigste (einzig wirklich fertige) künstliche Palme im Meer ist innerhalb weniger Jahre zugebaut, verkehrsmäßig erschlossen und voll geworden. Nur der äußere Rand hat noch ziemlich viel Baustelle zwischen den Luxushotels aufzuweisen, so dass der Blick wahlweise auf die riesigen Entsalzungsanlagen im offenen Meer fällt oder auf Bauzäune und Betonmischer. Nein, so ein 5 oder 7 Sterne-Hotel ist nichts für mich, nette Leute und eine entspannte Umgebung geben mir mehr.

    Blick von der Palme auf Strand + Häuser von Dubai Marina
    Blick von der Palme auf Strand + Häuser von Dubai Marina
    Hotel Atlantis: Jeder möge selbst alle Superlative, Luxus und Sinnlosigkeit dazu nachlesen...
    Hotel Atlantis: Jeder möge selbst alle Superlative, Luxus und Sinnlosigkeit dazu nachlesen…

    Postkarte3Abgesehen von den 1001-Nacht-Hotels bestehen Dubais Sehenswürdigkeiten hauptsächlich aus Shopping Malls. Zuerst ist die Mall of the Emirates dran, deren schräg nach oben herausragender Gebäude-Anbau von weitem auf die Skipiste im Inneren hinweist. Im Ernst: draußen 35°, drinnen tonnenweise Schnee. Und Skilifte, die sich im Zeitlupentempo bewegen. Und Bob-Bahnen und Schneeparadies für alle, die es nicht besser wissen.

    Schwarze Piste? Lächerlich!
    Schwarze Piste? Lächerlich!

    Geradezu veraltet und klein wirkt die Mall of the Emirates, wenn man tags darauf in die Dubai Mall fährt: Sie ist Titelverteidiger der Superlative als größte Shopping Mall der Welt und hat den (zumindest zeitweise) höchsten Turm der Welt, den Burj Khalifa, seitlich angeflanscht.

    Weil das alles noch nicht reicht, hat die Dubai Mall noch eine Eislaufbahn und ein gigantisches Aquarium, in dem man mit Haifischen und Rochen tauchen kann, ohne dabei den Blick auf die Klamottenläden gegenüber aufzugeben. Fish & Shops sozusagen…

    Dubai_G3Es gibt noch viel zu sehen, von unten und von oben: mehr dazu folgt in Teil 2.

  • Winter
    Ist es ein Schneeball? Ist es ein Alpengipfel? Nein, es ist Superhector in seinem Winteroutfit „Rollendes Iglu“

    Ich muss im Winter nicht campen. Aber schön zu wissen, dass ich es könnte: dank Gasheizung und beheizten Wassertanks ist es zumindest theoretisch möglich. Praktisch ist das jedoch nicht, aber darum geht es hier gar nicht. Sondern um die Basics.

    HectorAquarellFest steht: Hector ist der Größte, vor allem von innen. Auf nur 5,60 m Länge bietet er zwei Zimmer, Küche, Bad. Der Trick dazu ist die Höhe: Hector hat als kleines Bus-chen häufig im Regen gespielt und ist dadurch rund 35cm höher gewachsen als die meisten seiner Artgenossen. Und so verbirgt sich oberhalb der 2m Stehhöhe ein Hubbett, das nachts auch großgewachsenen Menschen sternenbeschienenen Schlafkomfort bietet. Immer begleitet von der Frage, ob die maximal zulässigen 150 kg inklusive oder exklusive Lattenrost & Kaltschaummatratze gelten…

    WohnzimmerEine Etage tiefer bietet das Wohn-/Esszimmer eine vollwertige Dinette (Tisch + 2 Sitzbänke), die dank Bankverbreiterung ein zweites Doppelbett auf 1,80m x 1,30m oder ein Loungesofa hervorzaubert.

    BettUnten
    Bett unten

    Oder zwei ausgewachsene Mountainbikes aufnimmt (Tisch umdrehen) oder den Getränkevorrat beherbergt oder sperriges Gepäck oder weitere Funktionen, die ich noch gar nicht entdeckt habe. Das Ganze gekrönt vom Weinregal, das seitlich die hintere Sitzbank schmückt.

    Heck
    Blick in’s Heck: hinten rechts versteckt sich das Bad

    Das Bad im Heck bietet alles, was man braucht, auch wenn die Dusche eher theoretisch vorhanden ist. Macht nichts, dank Fenster und Außen-Halterung (unbedingt kaufen für Saison 2015!) lässt sich der Wasserspaß bei „wilden“ Standorten nach draußen verlegen. Das winzige Bad ist übrigens die einzige Komfort-Einbuße gegenüber doppelt so großen Luxuslinern, die mir bisher aufgefallen ist. Andererseits: Luxusliner stehen eh nur auf luxuriösen Campingplätzen mit luxuriös gekachelten Waschhäusern, also büßen die Monstergefährte ihren Vorteil gleich wieder ein, ätsch.

    StaufachDie Winkel-Küche hat erstaunlich viel Platz, der Kühlschrank samt Eisfach ebenso und der Kleiderschrank hat seit meinem Eigen-Umbau genug Potenzial für 3-Wochen-Klamotten-für-zwei. Zumindest, solange im Dielenschrank auch noch ein bissl Platz für Jacken, Pullis und Krimskrams bleibt, aber dafür ist der Dielenschrank ja schließlich da. Und wird durch die Bibliothek (Plan 2015!) im Platzangebot auch nicht dezimiert. Weitere Staufächer verstecken sich in der vorderen Sitzbank, im Küchenboden und in der Badezimmer-Rückwand, und natürlich hat auch die Küche noch einige Schränke und das Beste aller Vorratsfächer zu bieten. Letzteres wird bequem von der Hecktür aus befüllt und steht dank Zugriff von oben (Ausschnitt / Deckel in der Arbeitsfläche) im Innenraum genauso gut zur Verfügung.

    VorratKücheTheoretisch ließe sich auf die Hinterachsen-Verstärkung und Anhängerkupplung ein Motorrad-Ständer anbauen. Aber erstens habe ich Vorurteile gegenüber Motorradfahrern, die nicht die gesamte Distanz zweirädrig überwinden, und zweitens waren die Triumph-Zeiten zwar eine glorreiche Ära, sind aber nun vorbei. Stattdessen ist nun mindestens ein Fahrrad an Bord (passt in den Innenraum oder in’s Bad) und die Lust auf Bewegung hat sich gewandelt: Yogamatte statt Lederkombi lautet die Devise.

    HectorAussen1Auch wenn neuere Ducato-Modelle schicker sein mögen, Hector hat als 2005er-Baujahr einen Riesenvorteil: er ist robust. Technischer Schnickschnack hält sich vornehm zurück, hier arbeiten noch Nockenwelle, 5-Gang-Getriebe, Schweißnähte und Zahnriemen hörbar mechanisch miteinander. Für die Vermessung der Außentemperatur streckt man die Hand aus dem Fenster und der Durchschnittsverbrauch wird durch Kopfrechnen ermittelt. Immerhin hat Hector die Vollausstattung abgekommen, also 2 Airbags, ausfahrbahre Trittstufe und elektrische Fensterheber. Wann immer ich in einen Engpass geraten sollte: jeder Handwerker in ganz Süd-Mitteleuropa wird mir souverän helfen können (und parkt mir das Gefährt auch gern rückwärts in einen besonders engen Parkplatz ein). Längere Distanzen schnurrt der Motor nur so runter und die Inspektion mitsamt Ölwechsel ist so günstig, dass sie sich auch ein Kleinbetrieb im Mindestlohnumfeld leisten kann.

    Kurz: Ich habe den tollsten Bus der Welt und blicke freudig jeder neuen Straße entgegen!

    HectorAusblick

  • Es ist keine drei Tage her, dass ich anfing Hectors Sammelsurium auszuräumen, und prompt räume ich es schon wieder zurück: Mitte September lockt hitziges Spätsommerwetter, also geht es kurzfristig zu einem Wochenendausflug. Geplant ist eine Fahrt zum großen Ahornboden, als Alternative ist auch der Bodensee im Programm. Hector kann jedoch erstaunlich stur sein, und so folgt er wie vom Bindfaden gezogen dem Sommerwetter und kommt erst in Chieming, wenige Meter vom Chiemsee entfernt, zum Stehen. Nun gut, im Chiemgau war ich lange nicht und die Gegend bietet viel Wasser (etliche Seen), Alpenblick, hübsche kleine Ortschaften und etliche Übernachtungsmöglichkeiten, ohne dabei jedoch völlig dem Tourismus-Trubel anheim zu fallen. Das ist definitiv besser als der Bodensee und nur wenig weniger schön als der Ahornboden, der gewitterbedingt bis zum Indian Summer 2015 warten muss.

    ChiemgauAquarell

    Gänzlich unvorbereitet stehen wir also am Ufer des bayerischen Meeres und sind mehr als angetan von der ruhigen Atmosphäre – mehr als drei Touristen auf einmal bekommt man hier vormittags nicht zu sehen.

    Chiemsee_a1

    Nach dem Genuss einer „Chiemsee-Pizza“ mit Äpfeln, Ziegenkäse und Pinienkernen lande ich ohne größeres Zutun in einem der kleinen Elektroboote, die am verschlafenen Bootssteg verliehen werden. Sanft tragen die Wellen das kleine flache Boot auf die Insel Herrenchiemsee zu, die jedoch genauso wenig näher kommt wie die Wolke kurz vor der Sonne. 30 min. später ist die Insel immer noch einige km entfernt, so ein Elektroboot ist eben keine Yamaha-Yacht. Macht nichts, in den schaukelnden Wellen, die uns der kreuzende Ausflugsdampfer beschert, lässt sich die Sonne herrlich genießen und außerdem bietet die Bootsperspektive beste Orientierung für die Frage nach dem schönsten Uferstrand. Chiemsee_b

    Das unerwartet heiße Wetter und die Aussicht auf ferne Gewitterwolken am Alpenkamm verführen zu grenzenloser Faulheit. Gekühlter Rosé-Wein, süße Weintrauben und die auf dem See glitzernde Sonne tun ihr übriges und so lässt sich der Nachmittag prima vertrödeln.

    Zwischen Nachmittag und frühem Abend steht plötzlich die Frage nach der Übernachtungsmöglichkeit vor mir. Die Campingplätze direkt am Chiemsee sind eng gedrängt, was für Hobby-Voyeure sicher super ist. Ich suche mir lieber etwas mit mehr Freiraum. Einige Restaurants und Höfe rund um den Chiemsee bieten Stellplätze für Wohnmobile an: abseits der Seen, dafür aber mit viel Ruhe und Platz. Oder doch lieber direkt an’s Wasser? Die Lösung liegt am Waginger See, genauer: am Campingplatz zwischen Waginger und Tachinger See, am Ortsrand von Tettenhausen. Auch hier, wie fast überall im deutschsprachigen Raum, ist der Großteil des Geländes fest in Dauercamper-Hand. Direkt am See aber lockt eine freie Wiese mit Blick über dem moorigen See und einen kleinen Ruderboot-Steg.

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    Träge geht die Sonne unter und träge endet auch der spontane Urlaubstag: das Restaurant am Platz serviert Wild und Wein. Am nächsten Morgen gibt es nach einem kurzen Sprung in den See sonniges Frühstück und dann geht es auch schon wieder zurück in den Alltag.

    Chiemsee_e

    Das war ein entspanntes Erholungs-Wochenende ohne atemberaubende Wandertour, ohne Wildcamping, ohne Besichtigung und auch sonst ohne touristische Highlights – aber ohne meinen großartigen Campingbus wäre ich bestimmt nicht spontan im Chiemgau gelandet. Zwischen längeren Reisen sind es die spontanen Wochenend-Fahrten, die meinen eigenen kleinen Bus so wertvoll machen. Einfach los, einfach raus, einfach der Nase nach, das wird im folgenden Jahr sicher wieder viel Spaß und Erholung bringen!

    Sprung

  • Eine Woche Urlaub, verlängert um 2-3 Extratage – damit muss sich doch was anfangen lassen! Es ist Ende August und ich will an’s Meer. Am liebsten in die Normandie und Bretagne, wo Kultur und raue See und grüne Wiesen und Erholung und windige Sonne warten. Die Verlockung ist groß genug, die relativ lange Strecke von 1.300 km in Angriff zu nehmen und so fährt Hector zwei Tage lang haken-schlagend nach Westen.

    FranAugRoute1Einmal dort angekommen zeigt sich, dass die Bewohner im nordwestlichen Teil Frankreichs viel entspannter und freundlicher sind als die südlichen Mittelmeer-Beaus. Dazu kommt, dass die Gegend den Charme süd-englischer Cottages à la Rosamunde Pilcher versprüht, also eigentlich beste Bedingungen für acht Tage Urlaub. Wäre da nicht Hectors unbezwingbarer Wille, der Sonne zu folgen. Da kann man noch so oft „Granville“ in das Navi eingeben, wenn es dort Hunde und Katzen regnet, richtet sich der Kühlergrill stoisch gen Süden aus.

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    Urlaub als Vision: So soll das aussehen! sagt Hector

    Zum Glück bleibt vorher noch ein Tag mit mildem Spätsommerwetter, um den weltberühmten Mont Saint-Michel zu besichtigen. Er ist alles auf einmal: eine kleine Insel, eine Festung, eine Kathedrale, ein Dorf, ein Touristenmagnet, ein Wildwuchs architektonischer Details, ein Hingucker und neben all dem auch noch die exakte Grenze zwischen Normandie und Bretagne.

    FranAugRoute2aNantes habe ich nur auf der Durchreise gesehen, es soll sich jedoch lohnen (Christine kennt sich dort mittlerweile deutlich besser aus). Hector und mich hat es dagegen in das Charente-Maritime verschlagen: eine eher wenig bekannte Urlaubsregion, die vorwiegend von der französischen Unterschicht (erkennbar am unglaublich schlecht erzogenen Nachwuchs) und freundlichen Briten genutzt wird.

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    Rund um Royan gibt es wenige Highlights: den mitten im Meer stehenden und ältesten Leuchtturm des Landes Phare de Cordouan und das Estuarium als rundum-Info-Zentrum an der Gironde-Mündung. Daneben kann man noch auf ein paar Bunker-Ruinen herumklettern und den Hochseilgarten erklimmen, aber dann bleibt neben einer Radtour und endlosen Strandwanderungen wirklich nichts mehr zu tun. Wenn man dann auch noch die kleine Kirche von St. Georges de Didonne gesehen hat und im Kontrast dazu das modern-scheußliche Gotteshaus von Royan, kommt fast schon Langeweile auf. Schließlich kann man nicht ewig das Hinterland erkunden oder Austern sammeln und auch die angebotenen Bootstouren und Wanderwege werden bestimmt nach ein paar Wochen langweilig.

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    Ein typischer französischer Wanderweg

    Kurz, es ist die ideale Gegend, um eine volle Woche lang nichts zu tun.

    Romanische Kirche in St.-Georges-de-Didonne
    Romanische Kirche in St.-Georges-de-Didonne

    Meist reise ich mehr als ich verweile, aber in diesem Urlaub ist meine innere Unruhe erstaunlich milde gestimmt. Nach der Anreise über Kehl und den Mont Saint-Michel genieße ich volle 7 Tage und Nächte lang Sommerwetter am Campingplatz Bois Soleil, bevor ich für den Rückweg von 1.333 km zwei Tage einplane und für dieses Jahr das Meer endgültig hinter mir lasse.

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    Der Trick ist, sich eine lange Etappe nicht vorzunehmen. Das kenne ich schon von früheren Motorradtouren, bei denen ich völlig unerwartet über tausend Kilometer lang stoisch nach Hause fuhr (meist passiert einem das auf dem Rückweg) und dann vor lauter Autobahn-Sitzhaltung kaum noch vom Triumph-Sattel herunter kam. Nun passiert es mit Hector: die Lieblings-CD läuft rauf und runter und im Random-Modus und langsam werde ich textfest. Das Wetter hält, so dass wir laut trällernd (ich) und gleichmäßig brummend (Hector) nach Osten fahren. Die Schlösser der Loire locken mit bekannten und unbekannten Sehenswürdigkeiten, aber das ist mir zu früh für einen Zwischenstopp. Die Champagne soll ja auch ganz nett sein, aber auch hier ergibt sich höchstens mal ein kurzer Halt zum Auftanken, bevor Heimweh oder Rückenwind uns weiter treiben. Für das Elsass hatte ich schon schöne Adressen herausgesucht, um lecker zu Abend zu essen und dann auf dem dazugehörigen Parkplatz zu übernachten, aber fünf Uhr nachmittags ist eindeutig zu früh und Hunger habe ich gerade auch nicht. Hinter der Grenze tanke ich in Karlsruhe und überlege, einen ehemaligen Bekannten anzurufen zwecks Treffen + Übernachtung. Ach, ewig nichts mehr gehört, ich weiß nicht… Inzwischen ist es dunkel geworden und ich bin nördlich des Allgäus unterwegs, jetzt lohnt sich Anhalten auch nicht mehr! Um 23:00 Uhr rollt Hector schnaufend aus und wir stehen vor unserem Zuhause.

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    Der zweite geplante „Fahrtag“ wird genutzt, um Hector abzuspecken: die Saison 2014 ist bald vorüber und den Winter über lagert ein Großteil des Zubehörs in den heimischen 4 Wänden, wo es trocken und warm ist.

    Ein wenig wehmütig wische ich etwas Reisestaub von der Karosserie und freue mich jetzt schon: So wie die Wolken über den Himmel ziehen, ziehen auch wir bald wieder durch die Welt…

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  • Alle verfügbaren Wetter-Apps sind sich einig: Montag ab 7:00 Regen. Um Punkt 7:00 setzt Dauerregen ein und ich frage mich: wenn die sich so gut auskennen, ist das nicht verdächtig – gibt es ein Kartell der Wetterfrösche, die das Wetter kontrollieren??

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    Für uns heißt es: startklar und gen Süden! Der Weg führt vorbei an Châteaubriant und auch wenn mir erst Wochen nach dem Urlaub einfallen wird, warum mir der Name bekannt vorkommt, entschließen wir uns zu einen Zwischenstopp. Nach Besichtigung der Innenstadt (mittelalterliche Abschnitte und sterbende Geschäfte), der mächtigen Kirche und der Schloss-/Burganlage meldet sich der Hunger. Das weniger-abschreckende der beiden Bistrots des Ortes ist genau richtig, um ein richtig gutes Restaurant empfohlen zu bekommen: am Rande der Innenstadt in die Ausfallstraße einbiegen, eine Treppe hoch und im Hinterzimmer erwartet uns ein gemütlich-schlichtes Ambiente mit umwerfend gutem Essen. Schon bei den Vorspeisen sind wir hin und weg, die nächsten Gänge und auch Cidre und Kaffee halten das Niveau und als wir zum Schluss 13,- EUR je Person zahlen, ist es uns fast peinlich. Rindfleisch nach Art von Châteaubriant war zwar nicht dabei, aber die Tagesgerichte von „Le Relais d’Eugénie“ sollte man sich auf gar keinen Fall entgehen lassen, wenn man auch nur in der Nähe des Ortes ist!

    Eglise Sainte-Croix in Châteaubriand
    Eglise Sainte-Croix in Châteaubriant

    Das nächste Etappenziel ist Nantes: Während Christine sich aufmacht, die Stadt und die vielbesungene Loire-Brücke zu erkunden, fahren Hector und ich den Regenwolken davon und halten erst 60km südlich von La Rochelle an. Vermutlich liegt es daran, dass hier zusätzlich zum weiten Atlantik auch die Gironde mit 6km Breite vor der Tür der Anwohner liegt, jedenfalls braucht hier keiner extra-Regen oder wenn, dann nur nach 23:00 Uhr.

    FranAug_3dZuerst halte ich in St. Palais sur Mer, finde jedoch alle vier nebeneinander aufgereihten Campingplätze zwischen Küstenstraße, See-Promenade und Souvenirständen doof. Also noch ein paar Meter weiter fahren, vorbei an Royan und in St. Georges de Didonne ankommen. Hier finde ich meine Variante eines guten Campingplatzes: Ruhige Lage, aber in fußläufiger Entfernung zum beschaulichen Ortskern. Direkt hinter der Düne und trotz fehlender Meer-Sicht in Hörweite der rauschenden Brandung. Es dauert nur 15 Minuten bis Hector sich französischen Atomstrom einverleibt und ich mit einem Glas Cidre im sonnenwarmen Sand sitze und auf’s graublaue Meer blicke. FranAug_3e

    Erst am Abend stellt sich heraus, dass die ruhige Lage zwischen 21:00 und 23:00 nicht gilt: die Camping-Animations-Open-Air-Disco beschallt weit mehr als nur das benachbarte Restaurant und so gibt es fortan jeden Abend 80er-Jahre-Best-of-Popmusik (oder was sie hier dafür halten) satt.

    FranAug_4dbDas ist als einzige kleine Einschränkung verschmerzbar, denn ansonsten halten die nächsten 7 Tage genau das, was ich mir davon versprochen habe: Nach dem ersten Kaffee 20 Minuten Schwimmtraining im ausreichend großen Pool. Frühstück, Tee am Strand und gelegentlich 1,5km über den endlosen Strand (am schönsten: bei Ebbe) nach St. Goerges „downtown“ schlendern. Lecker essen oder gute Zutaten einkaufen (und später am Bus lecker essen). Am Nachmittag, wenn die Flut herein kommt, in den Wellen toben. Viel lesen, viel schlafen, viel auf’s Meer schauen.

    FranAug_4gaAn einem der Tage taucht im Pool neben mir eine Schwimmerin auf, die mit ihren > 70 Jahren locker mein Tempo mithält und zusätzlich 1-2 km mehr schwimmt. Ich lerne Ida kennen, ehrbare britische Dame und pensionierte Lehrerin, die mit 60 Jahren Open-Water-Swimming für sich entdeckt hat und nur bei allzu hohen Wellen ihr Training in den Pool verlegt. Ich bin beeindruckt, lerne später auch noch ihren Mann Tony kennen und verbringe zwei vergnügliche Abende mit den beiden. Reiselustige Zeltcamper sind immer für unterhaltsame Urlaubsgeschichten gut und so geht uns der Gesprächsstoff nicht aus.

    Dinner mit Ida & Tony
    Dinner mit Ida & Tony

    FranAug_5a Ein anderer Tag beweist, dass man auch mit dem billigsten aller Klappräder eine ernsthafte Fahrradtour unternehmen kann: in nördlicher Richtung kann man prima die Küste entlang radeln, hinter Royan und St. Palais sogar in einem unbebauten Pinienwald mit endlosen Strandkilometern und viel, viel Platz und Weitblick. Als ich 35 km später wieder zurückkomme, habe ich einen ordentlichen Muskelkater und schiebe ihn auf gelegentlichen Gegenwind.

    Stelzenhütten zum Netz-Fang kleiner Krebse
    Stelzenhütten zum Netz-Fang kleiner Krebse

    In südlicher Richtung verlässt die Küste den Atlantik und führt statt dessen entlang der Gironde ins Landesinnere. Davon merkt man entlang der wechselnden Abschnitte von Steilküste, Mischwäldern und Sandbuchten allerdings nichts, da müsste man schon einige Kilometer weiter fahren. Die Wanderwege in diesem Bereich sind typisch französisch, also schlecht beschildert und streckenweise von Wald und Gestrüpp zugewuchert. Die einsamen Buchten mit ihren Stelzenhäuschen und Sandstränden sind die Mühe jedoch wert, von den tollen Fotomotiven ganz zu schweigen!

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    Gullivers Reisen? Alles eine Frage der Perspektive…

    Insgesamt bleibe ich für meine Verhältnisse ungewohnt lange an einem Fleck, nämlich volle 7 Nächte an ein und demselben Camping am Meer. Offenbar habe ich ein wenig Ruhe und Nichtstun gebraucht, sonst hätte ich sicherlich mehr unternommen. Für dieses Jahr aber genieße ich den faulen Spätsommer und nehme mir vor, in einem der nächsten Jahre mindestens 4 Wochen am Stück wegzufahren und dann die Westküste von der Normandie über die Bretagne, mit Ausflügen zu den Kanalinseln und dann immer weiter nach Süden bis Spanien abzufahren. Ja, Hector und ich haben noch viel vor…

    FranAug_4hc

  • FranAug_2gDie Anfahrt von Kehl über Strasbourg, vorbei an Metz und schließlich über die wuselige Péripherique von Paris führt durch eher unspektakuläre Landschaften und hat vor allem ein Ziel: die Überwindung von 843 km bis in die südliche Normandie. Als wir dort von der Autobahn abfahren, sind wir auf Anhieb bezaubert vom Charme der Gegend: pittoreske Steinhäuser mit weißen oder grünen Fensterläden, sattgrüne Wiesen zwischen niedrigen Büschen und Bäumen, Blumen überall dazwischen und wellige Straßen, die sich im Hinterland der Küste durch malerische Cottages schlängeln… Ja, es gibt einen guten Grund, warum ich dieses Jahr schon zum zweiten mal hier her wollte. Wir sind so verzaubert, dass wir vergessen, während der Fahrt Fotos davon zu machen.

    ...ist ja  nicht so, dass es zu wenig Fotos gäbe...
    …ist ja nicht so, dass es zu wenig Fotos gäbe…

    Zunächst fahren wir Granville an, das mit einem schönen Altstadtkern und einem Campingplatz am Meer lockt. Angesichts der unerbittlich fortschreitenden Abendstunden rufe ich sicherheitshalber am Platz an, bis wann wir ankommen dürfen und wie wir am Folgetag zum Mont-Saint-Michel aufbrechen können. Die Antwort (bis 19:00 Uhr, Sonntags kein Busverkehr) ist ernüchternd, und so hängen wir noch eine halbe Stunde Fahrt dran und übernachten stattdessen am Camping Saint Michel in Courtils. Der Empfang ist freundlich, der Platz mit 15,- EUR/Nacht unerwartet günstig und am nächsten Morgen geht um 10:00 Uhr ein direkter Bus zum Mont-Saint-Michel, dem Ziel dieser Etappe.

    Das Wetter hält und lockt mit windstillen, milden Temperaturen. Bevor der Bus kommt, haben wir noch genug Zeit, um den örtlichen liebevoll gestalteten Laden mit regionalen Spezialitäten näher zu begutachten: Galettes-Kekse oder Calvados, Camembert oder Cidre, was darf es sein? Einige kleine Einkäufe später bringt uns der Bus für 2,30 EUR pro Person bis zum Informationszentrum der Bucht von Saint Michel und schon haben wir erneut die Qual der Wahl: geführte Wattwanderung, Pferdekutsche, Zubringerbus „Navette“ oder Fußweg über die nagelneue Brücke? Der Fußweg gewinnt und kurz darauf nähern wir uns in der Vormittagssonne der beeindruckend bebauten Insel. Obwohl die „Insel“ aktuell im Watt statt im Wasser liegt, ist der Anblick imposant.

    FranAug_2ebBisher erscheinen die Touristenströme erfreulich dünn, was sich erst in den engen Gassen des Mont-Saint-Michel selbst ändert. Zwischen zwei- bis dreistöckigen Steinhäusern führt eine schmale Straße bergauf und erinnert an eine Mischung aus Rüdesheimer Drosselgasse und mittelalterlichen Burgstädtchen – inklusive einer Unmenge an Souvenirshops, Restaurants und vor allem Touristen. Alle nervig, bis auf uns beide natürlich. Zehn Postkarten und ein frühes Mittagessen später erklimmen wir den oberen Teil der Insel mit seiner Klosteranlage. Für 9,- EUR Eintritt/Pers. lassen wir uns durch die unterschiedlichen Bereiche der Abtei treiben. Der meiste Teil ist gotisch und entsprechend großzügig angelegt. Je näher wir der Bergspitze kommen, umso mehr treten ältere Bestandteile zutage, schließlich ist der Kern der Anlage mehrere Jahrhunderte älter (und romanisch) als die von außen sichtbare Steinhülle.

    FranAug_2faHoch über der architektonischen Pracht thront die aus Kupfer gefertigte, golden strahlende Statue des Heiligen Michael, die ihn im Kampf gegen einen geflügelten Lindwurm zeigt.

    FranAug_2fgMindestens genauso schön wie die Anlage an sich ist der Blick über die offene Bucht in Richtung des offenen Meeres. Gemächlich wird die Wattlandschaft von Wasser überspült und geht weiter am Horizont in unendliches Blau-Grau über. Im Inneren betreten wir als nächstes den Kreuzgang, der einer der schönsten Bereiche der ganzen Abtei ist.

    FranAug_2gbFranAug_2hcFranAug_2hdDie Abteikirche ist in ihrer schlichten Pracht und schieren Größe genauso spannend wie die Suche nach kleinen Details, die auf den Stilmix über die Jahrhunderte hinweisen. Die Gebäude der Klosteranlagen sind nur wenig verschnörkelt, da das Baumaterial (überwiegend Granit) keine filigranen Verzierungen zulässt. Lediglich in einigen nach innen gewandten Bereichen finden sich daher Verzierungen oder verspielte Säulen, was dem Bauwerk eine erhabene Note verleiht.

    FranAug_2gfFranAug_2ghDas Refektorium ist auf seine ganz eigene Art überzeugend, wenn auch eher durch die Schlichtheit des symmetrischen, leeren Raums und durch das modern-kunstvoll gestaltete Deckenlicht als Ansammlung etlicher einzelner Glühbirnen. Neben kirchlicher Pracht ist der Bau aber auch ein Bollwerk, mit Schießscharten und dicken, widerstandsfähigen Mauern. Kurz nach einem großen Saal, in dem sich die Ballszene aus dem Klassiker „Tanz der Vampire“ stilecht nachspielen ließe, betreten wir plötzlich den alten Kern des Gotteshauses: eine kleine, sehr schlichte Kapelle, die den Ursprung der anno 708 gegründeten Anlage darstellt.

    FranAug_2heNach gefühlten zwei Stunden in der Abtei sind die Sinne für Architektur und alten, grauen Steinen erschöpft und wir gönnen uns zur Erholung den Blick von der Klostermauer über die Bucht, lassen die Beine Baumeln und den Blick schweifen.

    Hat uns das Kloster erleuchtet? Vielleicht...
    Hat uns das Kloster erleuchtet? Vielleicht…

    Der passende (und einzige) Bustransit zur Rückfahrt nach Courtils kommt uns um 17:05 Uhr gerade recht, so dass wir den milden Abend mit leichter Campingküche und ein paar fiesen Mücken ausklingen lassen.

    Der nächste Tag hält sich genauso rigoros an den Wetterbericht wie der vorhergehende: pünktlich um 7:00 Uhr setzt Nieselregen ein, der sich in den nächsten zwei Stunden zu einem grauen Bindfadenwetter verstärkt. So gern wir noch hier bleiben würden (es locken immer noch Granville, die Smaragdküste, Jersey und weitere Kanalinseln sowie etliche raue Küstenabschnitte), bei Dauerregen über volle 4 Tage ist das keine Option. Also machen wir Hector startklar und brechen auf gen Süden.

  • FranAug_1cSchon zum zweiten mal dieses Jahr geht es in die Normandie und/oder Bretagne. Bereits im Mai hatte ich die Westküste angepeilt, bin dann jedoch im äußersten Südosten der „Bretagne“ gelandet, am entferntesten Punkt in Argelès sur Mer. Aber jetzt ist August und damit einer der regenärmsten Monate der Bretagne, zumindest lt. Wikipedia. Was Wiki jedoch nicht auf dem Schirm hat ist der Einzug eines hartnäckigen Kaltwetter-Regen-Tiefs von Norden, aber so weit sind wir noch nicht.

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    Die Gegend von zarter Piccata Milanese aus betrachtet

    Noch ist Freitag und die Sonne jagt weiße Wölkchen über den Himmel Süddeutschlands. Kurz vor Stuttgart wird mir die Autobahn zu voll und zu staulastig und so konsultiere ich zunächst das Navi (Schweigen, schwarzer Bildschirm) und dann die Straßenkarten. Als alter Reisehase finde ich mich auch auf die altmodische Tour zurecht und werde nach diversen Bundes- und Landstraßen erst bei Tübingen vom knurrenden Magen abgelenkt. Gut, dass ordentliche Bürger regelmäßig vor ihrer Haustür kehren und Unkraut zupfen, so kann ich mich durchfragen bis ich in einem kleinen Stadtteil am örtlichen Sportplatz unerwartet lecker und mit Ausblick einkehre.

    FranAug_1bKurz darauf geht es kurvig durch den Schwarzwald. Ich war noch nie hier und die Fahrt macht richtig Spaß. Verlockende Natur und verschlafene Kurorte mit Kurschatten-Charme der frühen 80er wechseln sich ab. Hector nimmt Kurve um Kurve unter die Allwetterreifen, während durch die offenen Fenster würzige Luft herein weht. Unter dem sonnigen Wolkenhimmel erstrecken sich Abschnitte mit Obst und Getreideanbau, durchsetzt von dunklen Wäldern und sportlichen Passkurven. Die Durchfahrt durch Freudenstadt zeigt eine wahre Bilderbuchkulisse, aber eine ausgiebige Besichtigung hebe ich mir für eine andere Gelegenheit auf.

    FranAug_1kaAm späten Nachmittag rolle ich auf den Campingplatz Kehl, nur wenige Meter hinter dem Rhein mit offener Wiesenfläche für Zelte, Campingbusse und sonstige Gefährte. Während Christine noch kräftig im Baseler Büro wirbelt, sehe ich von Kehl aus schon mal rüber ins Nachbarland und zerbreche mir ein wenig den Kopf über Wetterprognosen, Westküsten-Entfernung und mögliche Reiseziele. Angesichts drohender Dauerregen-Vorhersagen habe ich am Vorabend noch schnell einen weiteren Reiseführer gekauft, um den Radius auf südlichere Breitengrade ausweiten zu können.

    Dort, auf der anderen Flussseite, liegt Frankreich. Sieht eigentlich gar nicht so anders aus...
    Dort, auf der anderen Flussseite, liegt Frankreich. Sieht eigentlich gar nicht so anders aus…

    Als Sonne und Tageslicht sich verabschieden, kommt Christine an und wir spielen die verschiedenen Optionen durch: Schnell wird klar, dass am weltberühmten Mont-Saint-Michel kein Weg vorbei führt, was für den Sonntag wettertechnisch auch gut passt. Die Frage ist nur: und dann?? Wir werden sehen…

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  • Nachdem mir ehemalige Projektkollegen als Abschiedsgeschenk ein Panoramabuch über die Kitzbüheler Alpen vermacht haben, bin ich um Anregungen für Ausflüge nur selten verlegen. Im August führte nun die Ankündigung des Brixentaler Bergleuchtens zu dem Plan: Mädels, wir fahren bergauf!

    Hector platzt fast vor Stolz, als nach und nach 3 Grazien zusteigen und sich auf den Weg in die Haus-Alpen machen. Bewaffnet mit Vorräten und gekühlten Getränken sind wir bereit für den angesagten Ferien-Stau gen Süden, aber nichts da: Dieses Wochenende läuft vieles anders als geplant und der Stau findet grundsätzlich nur auf der Gegenfahrbahn statt, so dass wir bereits mittags bei 30° am Campingplatz Brixen ankommen.

    2014_08_10a_TravelhectorEinmal mehr zeigt sich: Camping hat immer auch mit gelben Nummernschildern zu tun und so ist der Sprachkurs gleich inbegriffen. Die meisten Veranstaltungsschilder auf dem Campingplatz sind in holländisch verfasst, was jedoch keine Beeinträchtigung bei der Auswahl eines wunderbaren freien Wiesenplatzes darstellt. Hector frisst Alpenstrom und wir Mädels machen uns über die erste Runde Sekt und Häppchen her.

    2014_08_10fTravelhectorDie 30° werden immer drückender und angesichts aufziehender Wolkenberge werfen wir uns schnell Handtücher über und schlendern 500m zum Freibad mit Natursee. So schnell die Flipflops uns tragen, stürmen wir zum schönsten Rasenfleckchen am See und haben Sekunden später schon den großen Zeh in’s Wasser gesteckt. Erfrischend, ganz ohne Zweifel! Zum Glück ist der See nicht nur angenehm frisch, sondern auch angenehm klein: Seequerung fast-forward und ab auf’s Badetuch für 5 gemütliche Minuten Sommerluft. Nach so viel Entspannung beherzigen wir den Ratschlag (vielmehr: die nachdrückliche Gewitterwarnung) des freundlichen Bademeisters und flipflopsen einen Umweg am örtlichen „Billa“ vorbei, getreu dem Motto: Wenn schon Unwetter, dann wenigstens feucht-fröhlich! Passend zur Bergwelt gibt es Gösser Radler und Südtiroler Rotwein und schon schlappen wir im Wettlauf gegen die Gewitterwolken zurück zum Bus.

    2014_08_09eTravelhectorDas Timing ist perfekt, exakt 60 Sekunden nach Verstauen der Außenmöbel geht es auch schon los: ein Wolkenbruch wie aus dem Bilderbuch geht über das Tal nieder und wir freuen uns, dass wir weder einen Graben um das Zelt ziehen noch auf undichte Stellen aufpassen müssen. Hector stellt sich einfach stoisch in den Regen und duscht den Reisestaub ab, während wir drinnen den zweiten Gang auftischen.

    Diverse Köstlichkeiten später werden wir für unsere Geduld belohnt. Das Brixentaler Bergleuchten mit seinen per Fackeln auf den Berghängen abgebildeten Vereinswappen, Mustern und sonstiger Kunst wurde zwar unwetterbedingt abgesagt, der bestellte Sonnenuntergang erfüllt dafür voll und ganz unsere Erwartungen. Drinnen beleuchten ein paar Kerzen die hereinbrechende Dämmerung und draußen färbt die untergehende Sonne die letzten Schleierwolken in Pastellfarben zwischen weiß-orange und rosarot.

    Nachdem der Regen endgültig klein beigegeben hat, könnten wir eigentlich ins Dorfzentrum marschieren und die lokalen Wirtschaften, Kneipen und Gasthäuser durchtesten. Angesichts der mittlerweile zum Sofa verwandelten Sitzgruppe in unserem Bus fehlt dafür jedoch jede Notwendigkeit, so dass wir stattdessen bei Kerzenschein und Rotwein eine heimelige Pyjamaparty abhalten.

    Die größte Herausforderung des Abends stellt sich bei der Schlaf-Frage: wer schläft wo und wenn ja wie viele?! Zuerst verbreitern wir das Loungesofa mithilfe des eingebauten Lattenrosts und schaffen damit die maximal mögliche Liegefläche des unteren Bettes: Laut Prospekt 1,85m lang, laut Zollstock echte 1,80m und diagonal ein wenig mehr, dafür jedoch nah an der Fluchttür und mit viel Luft und Sitzhöhe rundum. Als nächstes folgt das obere Bett: nach dem Entsichern beherzt am Griff ziehen und schon schwenkt der Lattenrost samt Matratze sanft herab. Leiter einhängen, hochkrabbeln und: Katrin liegt noch kaum oben, da will sie auch gar nicht mehr runter vom Schlaraffenland. Ich bemühe mich um gastgeberische Neutralität und bin selbst gespannt, wie wir mit dem Arrangement durch die Nacht kommen: Melanie kann sich unten quer, diagonal und dekorativ ausstrecken, während Katrin und ich uns die Höhenluft darüber teilen. Bei dem Auf- bzw. Abstieg zum/vom Hubbett und mit dem erhöhten Schwierigkeitsgrad, dass das halbe Bett bereits belegt ist, zeigt sich einmal mehr: regelmäßiges Yoga hilft enorm bei dem Versuch, sich in max. 40cm lichter Höhe sauber zusammenzufalten und um 270° zu drehen.

    Camping = Flexibility!
    Camping = Flexibility!

    Am nächsten Morgen lacht die Sonne durch das Deckenfenster und zumindest das Hubbett hat sich tatsächlich als veritables Doppelbett bewährt. Entspannt wacht die obere Reihe auf, wohingegen Melanie eigentlich noch ein paar Optimierungsnächte dranhängen müsste, um die Polster der Sitzgruppe in die bestmögliche Schlaf-Anordnung zu sortieren. Die Unebenheiten der Liegefläche sind eben doch spürbar, aber sie nimmt’s gelassen und wird mit Tee und Bergsonne belohnt.

    Nach dem gestrigen fast-forward Tag können wir es heute ruhig angehen lassen. Das Wetter bleibt stabil und so genießen wir mehrere Runden Kaffee, Tee und Frühstücks-Happen in der kräftigen Augustsonne. Trotz der umtriebigen Dauercamper rundum (habe ich die gelben Nummernschilder erwähnt??) ist das Rauschen des nahen Wildbaches noch das lauteste Geräusch. Es ist einfach idyllisch hier, wie in einem Werbe-Trailer! Der Blick auf die Hohe Salve und die umliegenden Kitzbüheler Alpen macht Lust auf weitere Ausflüge mit Wanderungen, Mountainbike, Sommerfesten und Lama-Reiten.

    2014_08_10bTravelhectorAlles in allem begeistert der beste Hector der Welt einmal mehr: Die kürzeste verfügbare Ducato-Karosserie bewährt sich mit der einmaligen Raumaufteilung allein, zu zweit und nun auch zu dritt, und das bei gerade mal 5,60m Außenlänge. Wäre die vierte im Bunde auch noch mitgekommen, hätten wir die Bettzuteilung nach Körpergröße ausknobeln müssen, weil dann das untere Bett doch spürbare Längenbegrenzungen hat, aber für eine Nacht als Kurzausflug wäre auch das kein Problem. Mit stolzgeschwellter Brust verkündet Hector daher:

    „Ich bin ein Van für eine Nacht!“

    …mindestens, finde ich.